Zurückhaltung bei Veränderungen Kirchenund Religionssachen) scheiterte nach der Niederlage der Protestanten in der Schlacht bei Lützen. Stephan Schwenkes (Marburg) abgeschlossene Dissertation verglich die hessischen Garnisonstädte Marburg und Ziegenhain in der Frühen Neuzeit. Soweit die Quellenlage dies zuließ, nahm er die Fragestellung der neuen Militärgeschichte auf, die das Militär in sozialgeschichtlicher Perspektive untersucht. Das Verhältnis zwischen Stadtbürgern und Soldaten, das unterschiedliche Heiratsverhalten von Of?zieren und Mannschaftsgraden und die unterschiedliche städtebauliche Entwicklung Marburgs und Ziegenhains waren unter anderem Gegenstand seines Vortrags. Jochen Ebert, Mitarbeiter an dem von Prof. Dr. Heide Wunder geleiteten Forschungsprojekt zur ca. 10 km nördlich von Kassel gelegenen Domäne Frankenhausen und ihrem Umland, stellte wirtschaftliche, soziale und agrarische Aspekte der Domänenwirtschaft am Beispiel der Pächterin Katharina Elisabeth Most in der Zeit des Siebenjährigen Kriegs vor. Kriegsbedingte Pachtrückstände aufgrund von Requirierung und Ernteausfällen führten die Witwe in Kon?ikt mit der landesherrlichen Verwaltung, die schließlich zur Aufgabe der Pacht führten. Kunstgeschichte Dr. Harald Woltervon dem Knesebeck führte in die beiden Forschungsprojekte der Kasseler Kunsthochschule ein. Marion Jäckel stellte die Ergebnisse ihrer Magisterarbeit zum Grabmal Landgraf Philipps des Großmütigen in der Martinskirche zu Kassel vor, das in mehrfacher Hinsicht einen Bruch mit der Vergangenheit darstellt: in der Aufgabe der bis dahin genutzten Grablege des Hauses Brabant in der Marburger Elisabethkirche, in der Abkehr von der Tumbenform und schließlich in der Ausführung durch niederländische Bildhauer. Zum Philippjahr wird die Referentin einen Kunstführer zu diesem Grabmal veröffentlichen. Petra Werner stellte anhand eines Gemäldes von Johann Melchior Roos (1728) ihr Dissertationsprojekt zur Menagerie Landgraf Carls von HessenKassel vor. Das großformatige Bild idealisiert das in der Karlsaue gelegene Tiergehege des Landgrafen in einer paradiesartigen Szene. Es soll die Realität der Natur und ihrer in der Menagerie versammelten Vertreter abbilden und zugleich überbieten. Die Referentin zog einen Vergleich zu den zeitgenössischen Kunstund Wunderkammern und dem dahinter stehenden Wissensideal einer Rekonstruktion der Welt in einem selbständigen Mikrokosmos. Neuere und neueste Geschichte und Zeitgeschichte Die von Prof. Dr. Winfried Speitkamp (Gießen) betreute Sektion bot ein sehr breites Spektrum. Claudia Klemm (Gießen) wandte die – ursprünglich von der Alten Geschichte und der mittelalterlichen Geschichte ausgegangene, inzwischen aber in allen Epochen der Geschichtswissenschaften beheimatete – Perspektive der Memorialkultur auf ein zeitgeschichtliches Thema an. Ihr Dissertationsvorhaben fragt danach, welche Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten mit welchen Absichten und Anknüpfungspunkten an die Revolution von 1848 erinnert haben. Am Beispiel der Frankfurter Feier 1923 zeichnete sie die politischen und diplomatischen Verwicklungen nach, die das Revolutionsgedächtnis in diesem Krisenjahr aufwarf. Kai Naumanns (Frankfurt a.M.) Dissertationsvorhaben widmet sich der unmittelbar nach Kriegsende von der USamerikanischen Besatzungsmacht eingeleiteten Reform des Justizvollzugs in dem entstehenden Bundesland Hessen. Der Neuansatz, der die Einführung einer Einheitsfreiheitsstrafe, Hafterleichterung und vor allem eine Resozialisierung mit erhöhtem Personalaufwand vorsah, konnte auf Reformvorschläge der Weimarer Zeit zurückgreifen und ließ Hessen trotz einer 1951 erfolgten Abschwächung