führte zu einer dauernden Entfremdung zwischen beiden Männern, aber er war bezeichnend für den auf Selbständigkeit und Unabhängigkeit gerichteten Bonifatius.

III

Im Jahre 721 begann Bonifatius seine selbständige Mission zunächst bei den Hessen. Die Christen, auf die er in der fränkischen Befestigung Amöneburg traf, pflegten ein recht verwildertes Christentum. Er führte sie zum rechten Glauben zurück und errichtete bei ihnen eine Niederlassung von Geistlichen als Stützpunkt für seine weitere Arbeit, die er von hier in das hessische Kernland (südwestl. Kassel) ausdehnte. Auf seinen Bericht über erste Erfolge nach Rom eingeladen, weihte ihn Papst Gregor II. am 30. November 722 zum Missionsbischof, zum Bischof ohne festen Sitz und ohne Diözese. Als Tätigkeitsbereich bestimmte ihm der Papst „einige Stämme in Germanien östlich des Rheines“, insbesondere die Thüringer; ihren christlichen Großen empfahl er den Missionar in einem eigenen Schreiben. Damit hatte Bonifatius sein eigenes, von Willibrord unabhängiges Missionsgebiet erhalten, freilich mit einem wichtigen Unterschied: Anders als den Friesen war den Hessen und vor allem den Thüringern das Christentum nicht mehr unbekannt, wenn auch oft barbarisiert und noch längst nicht allgemein angenommen. Immerhin hatte es schon so weit Fuß gefasst, dass der Papst ihren Großen Empfehlungsschreiben senden konnte.

Auf der Rückreise aus Rom suchte Bonifatius den Hausmeier Karl Martell, den tatsächlichen Herrscher des Frankenreiches, auf. Dieser sicherte Anfang 723 ihm und seinen Helfern im gesamten Reich die Unterstützung aller staatlichen Amtsträger zu. Neben dem päpstlichen Auftrag gab der staatliche Schutz Bonifatius nun den entscheidenden Rückhalt für sein weiteres Wirken.

Mit Karl Martells Einverständnis führte er seine Arbeit bei den Hessen fort. Als herausragendes Ereignis sei das Fällen der Do-nar-Eiche in Geismar erwähnt. Auf Anraten einheimischer christlicher Grundherren unternahm Bonifatius 723 oder 724 diesen weithin Aufsehen erregenden Schritt, und zwar, wie heute sicher gesagt werden kann, am wichtigsten Platz der Hessen in ihrem alt- und dichtbesiedelten Kerngebiet. Freilich vollzog Bonifatius diese nach dem Bericht seines Biographen nicht ungefährliche Tat mit dem Schutzbrief des Hausmeiers in der Tasche und unter dem Schutz der großen fränkischen Festung auf dem nahen Büraberg. Deutlicher kann die Abhängigkeit der Mission jener Tage von dem Schutz der staatlichen Macht kaum gekennzeichnet werden. Aus dem Holz der Donar-Eiche erbaute Bonifatius im nahen Fritzlar eine Kirche und weihte sie dem hl. Petrus. Der Platz für den Bau stammte wiederum von einem einheimischen Grundherrn. Auch wenn es erst zehn Jahre später berichtetet wird, als er die Holzkirche durch einen Steinbau ersetzte, dürfte er auch hier wie in Amöneburg sogleich eine Niederlassung von Geistlichen angelegt haben.

Der spektakuläre Akt von Geismar war ein Höhepunkt in der Arbeit der Missionare: Zum einen wurde den noch nicht Bekehrten und den noch Schwankenden handgreiflich vor Augen geführt, dass der Christengott den überkommenen Göttern überlegen war; zum anderen war es gängige Missionspraxis, die wichtigsten heidnischen Heiligtümer, wenn irgend möglich, gründlich zu beseitigen und durch christliche Gotteshäuser zu ersetzen. Doch lässt sich nicht, wie häufig versucht wird, bei oder unter jeder alten, gar noch abseits der Siedlungen stehenden Kirche ein altgermanisches Heiligtum vermuten; es sei denn, es liegen archäologische Belege vor, denn über heidnische Heiligtümer gibt es – außer für Geismar – keine schriftlichen Nachrichten.

IV

Wohl Anfang 725 wandte sich Bonifatius nach Thüringen. Auf seine Bitte hin hatte ihn Papst Gregor II. noch einmal in einem Schreiben dem Volk der Thüringer empfohlen und ihm aufgegeben, sich nicht nur taufen