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Amerikanische
Soldaten
marschieren
in
das zerbombte
Kassel ein.
Foto: Hedwig
Befreiung") plötzlich voraussetzungslos
dagestanden hätte, alle Verwurzelungen
im Vergangenen gekappt worden wären.
Gewiss passte das Bild von der "Stunde
Null" sehr gut zu einer in den Jahren
nach 1945 vorherrschenden Gefühlslage.
Die unbewältigte Vergangenheit sollte,
wenn man sie schon nicht ungeschehen
machen konnte, doch wenigstens verdrängt,
aus der augenblicklichen Realität
erst einmal eliminiert werden.
Kassel 1945
Kassel war am Ende des Krieges eine
Ruinenstadt. Die Baubehörden hatten
einen Gesamt-Zerstörungsgrad von fast
78 % ermittelt, annähernd zwei Drittel
aller Industriebauten waren schwer getroffen.
Den Hauptschaden hatte in der
Innenstadt der Großangriff vom 22. Oktober
1943 angerichtet. Rund 400 000
Brandbomben der Royal Air Force hatten
zusammen mit fast 1000 schweren
Sprengbomben während eines nur rund
25-minütigen Bombardements die alte
Fachwerkstadt in einem Großfeuer versinken
lassen. Rund 10 000 Menschen
starben, ebenso viele wurden verletzt. In
der Folgezeit bis zum Ende des Krieges
wechselten amerikanische und englische
Luftangriffe einander ab. Auch die gezielt
den Rüstungsbetrieben und den Infrastruktureinrichtungen
geltenden Bombardierungen
der US-Luftwaffe trafen
immer wieder die Zivilbevölkerung, da
die Abwürfe extrem ungenau waren und
vielfach städtische Wohnviertel stark in
Mitleidenschaft gezogen wurden.
Im Spätherbst 1944 wurde noch einmal
ein letztes Aufgebot „wehrfähiger“ Männer
zwischen 16 und 60 Jahren für den
„Volkssturm“ eingezogen. Im März 1945
erklärte die militärische Führung die
Stadt zur „Festung“, und noch in den
letzten Tagen der NS-Herrschaft kam es
zu rücksichtslosen Erschießungen und
anderen Gräueltaten. Als die Truppen der
amerikanischen 80. US-Infanteriedivision
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