Aktuelle Ausstellungen des Marburger Universitätsmuseums für Bildende Kunst im Ernst-vonHülsen-Haus: Bild Buch Wort Welt - Moderne Kunst und ihre Akteure 1901-1937 (6. Juni bis 10. August 2008), geöffnet: Dienstag bis Sonntag 11-13 und 14-17 Uhr - Universitätsmuseum für Bildende Kunst Marburg, Ernst-von-Hülsen-Haus, Biegenstraße 11, 35037 Marburg
Aktuelle Ausstellungen des Marburger Universitätsmuseums für Kulturgeschichte im Landgrafenschloß: „Zinn - Gebrauchsgerät des 16. bis 19. Jh. aus einer Privatsammlung" (7. März bis 31. August 2008)
„Wigand Gerstenberg von Frankenberg 14571522. Die Illustrationen aus seinen Chroniken. Aus
stellung mit Federzeichnungen und Realien aus dem Spätmittelalter" (12. Juni bis 31. August 2008), geöffnet: April bis Oktober: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr - November bis März: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 16 Uhr
Universitätsmuseum für Kulturgeschichte Landgrafenschloß, Schloß 1, 35037 Marburg a. d. Lahn (Telefon: 0 6421-282255, Fax: 064212822166 museumgverwaltuniz.uni-marburg.de www.uni-marburg.de/uni-museum
Agnes Tieze, Marburg
Veranstaltungen zur Erinnerung an das 200. Gründungsjubiläum des Königreichs Westphalen
Überblickt man die umfangreiche Literatur zur Geschichte des Königreichs Westphalen, stellt man fest, daß kaum eine Epoche in der deutschen bzw. hessischen Geschichte eine so widerstreitende Beurteilung erfahren hat und binnen weniger Jahrzehnte so grundsätzlich umgedeutet wurde, wie der 1807 entstandene westphälische Kunststaat. Die ältere Geschichtsschreibung zu Kurhessen hatte den Zeitraum vor allem als Folge der expansiven französischen Außenpolitik, die Besetzung Kurhessens und seine Einverleibung in das Königreich als unrechtmäßigen Akt begriffen. Dabei hat etwa Wippermann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch auf die zeitgemäßen Neuerungen des Staates hingewiesen und deren Beseitigung nach 1813 durchaus bedauert.
In der Kette der Jubiläen in den Jahren seit 2002/03 - beginnend mit der Erinnerung an den Reichshauptschluß von 1803 und seinen Folgen für die Existenz der geistlichen Territorien und der meisten Reichsstädte, über die Epochenscheide 1806 und dem Ende des Alten Reiches, mit den Gründungen der napoleonischen Reformund Modellstaaten sowie den Reformen in süddeutschen Rheinbundländern - ist es auch in Hessen zu einer ganzen Fülle von Veranstaltungen, Publikationen und Ausstellungen gekommen, die die Epoche und ihre Bedeutung für den Verlauf
der deutschen bzw. hessischen Geschichte präsentiert haben. Dabei wurde deutlich, wie der mittlerweile erreichte Erkenntnisstand zum Konsens geworden ist. Die seit den 1970er Jahren vornehmlich durch Helmut Berding und Elisabeth Fehrenbach angestoßene und dann weiter vorangebrachte Forschung, die durch eine wachsende Zahl von speziellen Untersuchungen erweitert wird, bildet die Grundlage, von der diese Veranstaltungen ausgehen. Hierzu zählen auch die zahlreichen Aktivitäten anläßlich der 200. Wiederkehr der Gründung des Königreichs Westphalen. Die Motivation Napoleons, das Königreich als Puffer und Modell für seine europäische Hegemonialpolitik bzw. seine Rheinbundverbündeten zu schaffen, wird dabei immer wieder angeführt. Auch die Erkenntnis, Napoleon habe das Ziel verfolgt, die westphälische Gesellschaft zu modernisieren, die Ökonomie und das Agrarwesen auch im staatlichfiskalischen Interesse zu liberalisieren sowie Justiz und Verwaltung zu straffen und zu vereinheitlichen, trifft heute auf allgemeine Zustimmung. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Konstitution von 1808 mit ihrer Repräsentativordnung, dem Grundrechtskatalog im Zusammenspiel mit dem Code Napoleon sowie der nach französischem Recht organisierten Justiz, Neuerungen, denen nicht zuletzt auch eine staatsintegrierende Funktion zugewiesen wird.