Die Forschung hat seit der Arbeit von Helmut Berding in der Domänenpolitik Napoleons, die allein auf dessen machtpolitische Erfordernisse zugeschnitten war und sich schließlich gegen die Interessen des Modellstaats richtete, der dauerhaften Verschuldung, dem fehlenden Kredit sowie in den enormen Belastungen des Rheinbundmitglieds Westphalen durch die kaiserliche Außenund Kriegspolitik wesentliche Ursachen für das Scheitern des Königreiches gesehen.
Die ambitionierte Ausstellung in Hofgeismar und ein umfänglicher Katalogband eröffnete 2006 die Reihe der Veranstaltungen in der Region und stieß in der Öffentlichkeit auf ein großes Interesse an dem Thema. Eine Wanderausstellung der hessischen Staatsarchive mit einem Begleitband richtete sich an ein breites, auch schulisches Publikum.
Ein zum Teil buntes Programm begleitete die große Landesausstellung, die von der Museumslandschaft Hessen-Kassel (mhk) organisiert worden war und von März bis Juni 2008 in Kassel gezeigt worden ist. Neben der Ausstellung gelang es den Veranstaltern, in Zusammenarbeit mit Vereinen und anderen Organisationen, privaten Interessierten und nicht zuletzt Schulen eine Fülle von Aktivitäten zu bündeln, um das Interesse an diesem Zeitabschnitt zu wecken und zu fördern. Daneben be
schäftigten sich wissenschaftliche, zum Teil fachspezifische Tagungen mit dem Königreich. Ein Kolloquium im Dezember 2007, organisiert vom Marburger Staatsarchiv, bildete den Auftakt zu dem Jubiläumsjahr 2008, zeitlich begleitet von einem über den Winter 2007/08 an der Universität Kassel laufenden Vortragszyklus. Die dort gehaltenen Vorträge hatten verfassungs- und rechtsgeschichtliche Schwerpunkte und gingen sozial-, mentalitäts- und wirtschaftsgeschichtlichen Fragen nach. Die Beiträge werden im Laufe des Jahres 2008 in Buchform erscheinen. Hinzu kamen zwei parallel zur Landsausstellung und ebenfalls von der mhk organisierte Fachkolloquien. Sie widmeten sich der militärgeschichtlichen Bedeutung des Königreiches - der Organisation und Ausrüstung des Heeres, aber auch den Lebensrealitäten der Soldaten - sowie der Rolle des Königreiches in kunsthistorischer Sicht als Vermittler des vom französischen Kaiserreich gepflegten, quasi offiziellen Herrschaftsstil des Empire.
Die Landesausstellung selber fand an historischem Ort des Museum Fridericianum statt, wo 1810 die Reichsständeversammlung - als Repräsentativkörperschaft des Staates - zusammengekommen war. Die Präsentation hatte mit der Darstellung des Empire-Stils und dem Thema napoleonischer Kunstraub den einen Schwerpunkt. Hier waren zahlreiche, aus Paris, Petersburg und aus anderen europäischen Sammlungen stammende Objekte aus den landgräflich-kurfürstlichen Sammlungen, die zum Teil erstmals nach 200 Jahren wieder in Kassel waren, zu sehen. Die Thematisierung von Hofhaltung und Residenz in Kassel erlaubte auch einen nüchternen Blick auf die mit zahlreichen Legenden befrachtete Erinnerung an den vermeintlichen unmoralisch-dekadenten Hof König Mrömes. Im historisch-politischen Teil standen dann mit Objekten aus allen Teilen des damaligen Reiches die staats- und gesellschaftlichen Reformanstrengungen im Vordergrund. Die einführende Installation in der Rotunde des Fridericianum führte unmittelbar den wesentlichen, modernen Gedanken der westphälischen Konstitution herauf. Beteiligung der Bevölkerung über gewählte und aus-