Die Landeschronik zeigt die Eroberung des Christenbergs nördlich von Marburg durch bewaffnete Ritter mit Helmen und Panzern - Originale solcher Rüstungsteile finden sich in den Sammlungen des Marburger Universitätsmuseums, Landeschronik L Abb. 15, fol. 37r
Um Zugang zu diesen aussagekräftigen Zeugnissen zu schaffen, haben die Universitätsbibliothek Kassel und das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg ein gemeinsames Projekt realisiert, an dem sich im Sommer 2008 das Universitätsmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Marburg beteiligt. In Kooperation dieser Einrichtungen ist eine Ausstellung mit den 45 Federzeichnungen der Landeschronik sowie den 15 kolorierten Miniaturen der Stadtchronik entstanden, die durch Realien aus den Sammlungen des Universitätsmuseums ergänzt werden und durch einen umfangreichen Begleitband erschlossen sind (nähere Hinweise siehe unten). Die Darstellungen liefern nicht nur zahlreiche Details zur Vergangenheit von Thüringen und Hessen, sondern sie gewähren darüber hinaus Einblicke in die damaligen Lebensumstände. Neben dem Heiligen Bonifatius und Sankt Elisabeth von Thüringen treten legendenhafte und reale Figuren
ebenso auf sowie die „kleinen Leute", die in Krieg und Frieden die Geschichte ihres Landes erlebt und geprägt haben. Klostergründungen, Städte- und Burgenbau, Kampf und Gewalt in ungezählten Fehden werden von unbekannter Künstlerhand nach präzisen Vorgaben in Bilder umgesetzt.
Die Originale der „Landeschronik von Thüringen und Hessen" und der „Stadtchronik von Frankenberg an der Eder" sind vom 12. Juni bis zum 31. August 2008 im Marburger Universitätsmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen (nähere Hinweise siehe unten). Die Ausstellung wird nicht nur die Bilder zeigen, sondern weitere Exponate umfassen. Einbezogen werden Objekte aus den reichen Beständen des Universitätsmuseums, die in Verbindung mit den einmaligen Bildzeugnissen des ausgehenden 15. Jahrhunderts gebracht werden. Einige der reizvollen Stücke entstammen der Sammlung des Geschichtsvereins und gehören dem Zweigverein Marburg. Alltagsgegenstände, Waffen, Möbel, Kirchenkunst und andere Sachüberreste, die in den Federzeichnungen der beiden Handschriften zu finden sind, werden zusammen mit den Manuskripten präsentiert, so dass sich Realien und bildliche Darstellungen in besonderer Weise ergänzen und zur gegenseitigen Anschauung dienen. Schwerter, Rüstungsteile, Kanonenkugeln oder ein Abendmahlskelch aus dem 15. Jahrhundert werden in den Vitrinen auf der Ebene 3 des Wilhelmsbaus zusammen mit den Federzeichnungen gezeigt. Weitere Bestände, die Bezug zur Ausstellung haben, werden anhand von Objektbeschriftungen gekennzeichnet und leiten in einer Besuchertour (mit eigenem Hausflyer) durch die verschiedenen Ebenen des Wilhelmsbaus. Auch die Schloßkapelle, in der Gerstenberg als Kaplan der landgräflichen Familie tätig war, wird in den thematischen Rundgang einbezogen.
Weitere kulturelle Zeugnisse und besondere, auswärtige Leihgaben wie das Ludwig Juppe zugeschriebene Holzrelief der Heiligen Elisabeth aus der Frankenberger Stadtkirche, Autographen aus dem Hessischen Staatsarchiv Marburg sowie die reizvollen Wappenmalereien und genealogischen Übersichten zu Gerstenbergs Regententafeln aus dem Marburger Staatsarchiv in Verbindung mit den Exemplaren aus der Sammlung der Universität