Sakrale Räume auf Burgen
Einen Bildvortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe von Zweigvereinen im VHG zum Thema „Sakrale Räume auf Burgen und die Burgkapelle auf der Hohenburg" hielt Heinz Hause, Vorsitzender der Burgberggemeinde e.V., Homberg. Er berichtete über die Frömmigkeit auf Burgen im Mittelalter und erläuterte Wortherkunft, Zweck und Funktion von Burgkapellen sowie die Vielschichtigkeit prachtvoller Gestaltung und Ausschmückung von Burgkapellen. Der Referent stellte dazu sechs Typen von Burgkapellen mit vielen bebilderten Beispielen vor: 1. Saalkirchen, 2. Doppel-Kapellen, 3. Torkapellen, 4. Turmkapellen und 5. Haus- und Schloßkapellen. Die Burgkapelle ist ein sakraler Bau, also ohne die sonst dominierende wehrtechnische Funktion innerhalb der Baulichkeit einer Burg. In dem in sich geschlossenen Wohnbezirk der Burg verlangte die mittelalterliche Auffassung von Religiosität einen Raum für den Gottesdienst, für die religiösen Bedürfnisse des Burgherren und seines Gefolges. Hier begannen der Burgherr und seine Gemahlin den Tag mit einer Morgenandacht. Fast generell gab es die Burgkapelle in der Nähe der Herrscherwohnung. Burgkapellen dienten aber auch der Repräsentation. Mit der Burgkapelle wollte man ein Stück Himmel auf die Burg holen, ein Gefühl der Gottesgegenwart vermitteln. Zwar verfügte längst nicht jede Burg über eine Kapelle, in bescheidenen Burgbauten war nur Platz für einen kleinen Kapellenraum, eine einfache Altarnische in einem Erker bzw. in einem Wohngemach des Palas. Der Kapellenchor ragte ggf. aus der Wand heraus.
Burgkapellen waren meist Heiligen geweiht, die besonders mit dem Ritterstand verbunden waren, wie den Hlg. Georg oder den Hlg. Gereon. Die Heiligen Pankratius, Blasius, Katharina, Erasmus waren auch typische Burgkapellenheilige. Für viele Burgenkapellen wurden Patrone aus den im Mittelalter sehr verehrten 14 Nothelfem gewählt.
Mit ihren bemalten Wänden und Decken, Buntglasscheiben und einem oft goldenen Kruzifix auf dem Altar war die Burgkapelle der schönste Raum der Burg. Wandmalereien finden sich in unzähligen Burgkapellen. Sie zeigen religiöse
Gestalten und Motive. Die Fresken wurden oft ergänzt durch ornamentale Malereien, Marmor, Rosetten usw. Manchmal war auch die Außenseite bemalt. Die aufwendige Gestaltung des Sakralbaues spiegelt die tiefe Religiosität der Burgherren wider. Die Malerei zeigt oft das zeitübliche Bildschema des Jüngsten Gerichts mit Christus als Weltenrichter, den posauneblasenden Engeln und den Evangelistensymbolen im sternenübersäten Himmel. Als raumgliedernde Elemente dominieren an Decken und Gewölben in der Regel die durch Steinmetze gefertigten Steinrippen, Maßwerke und Schlußsteine.
Hohenburg; Rekonstruktion Palas Ostseite
Die Bezeichnung Kapelle ist nach der coppa, dem Mantel des Hlg. Martin von Tours benannt, dem Schutzheiligen der Merowinger, der ihnen mit seinem Mantel auch zum Siegesheiligen wurde. Der Mantel wurde in der Schlacht vorangetragen und in dem heiligen Raum, den man zu seiner Aufbewahrung errichtete, sozusagen ununterbrochen verehrt. Aus der coppa, dem Mantel, ergab sich der Name für das bergende Haus, die Kapelle. Hergeleitet ist der Name Kaplan auch aus der coppa. Den Gottesdienst in der Kapelle hielt der Burgkaplan, ein Priester. Sie gehörten zu den wenigen, die des Lesens und Schreibens kundig waren. Daraus ergab sich auch deren Zuständigkeit für schriftliche Ave.iten, die in der Burg anfielen. Die Burgkapelle