aufwändigen Bau des berühmten Amönauer „Lusthäuschens" in finanzielle Bedrängnis und hat wohl ihre Schulden bei dem Schreinermeister Althefer mit der Orgel abgetragen, die entweder ihr Vater oder ihr Ehemann von den hessischen Landgrafen als Geschenk erhalten haben dürften. Nachdem die Orgel in Wetter bis etwa 1770 ihren Dienst getan hatte, verkaufte die Kirchengemeinde Wetter, die eine große neue Orgel erhalten hatte, 1776 die alte kleine Orgel an die Gemeinde Friedlos bei Bad Hersfeld. Dabei wurden handwerklich unbefriedigende Umbauten (Erweiterung des Klaviaturumfanges, Einbau eines Pedals) an ihr vorgenommen. Dennoch tat sie dort ihren Dienst bis 1882, als sie schließlich unspielbar war und als historisches Stück herausragender Qualität den Sammlungen des Hessischen Geschichtsvereins zugefügt wurde. Ein Gutachten des damaligen Konservators Ludwig Bickell empfahl ihre Wiederspielbarmachung und Nutzung in der Marburger Schlosskapelle.
Inzwischen hat sich im Zweigverein Marburg ein Arbeitskreis mit der Frage der Restaurierung der Orgel befasst. Die seit 2001 laufenden intensiven Forschungsarbeiten an der Orgel haben ihre herausragende baudwerklichkünstlerische Qualität und die eminente Bedeutung für die gesamte hessische Musikgeschichte belegt und Die Empfehlungen der Fachleute sehen den Rückbau des Instruments auf den Zustand um 1620 mit der sog. „kurzen Oktave", also fehlenden Halbtönen im Bassbereich und Tonumfang von C bis a... (41 Töne pro
Register) vor. Dabei sollen die verstümmelnden Veränderungen aus dem 18. Jahrhundert überwiegend rückgängig gemacht, aber sorgfältig dokumentiert werden. Die Orgel soll dann im Fürstensaal des Marburger Landgrafenschlosses aufgestellt und in regelmäßigen Konzerten genutzt werden.
Um dieses Ziel zu erreichen, sind dringend Spenden nötig und werden als Überweisung auf das „Orgel-Konto" (Girokonto Nr. 72362 bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf BLZ 533 500 00) erbeten.
Gerhard Aumüller, Marburg Lit.: Hans Uffe Boerma, Über das Hospital und die Hospitalstiftung in Wetter. Wetteraner Ge schichtsfreunde - Verein für Wettersche Geschichte e. V. Schriften zur Stadtgeschichte Nr. 12, November 2003, S. 18.; zur Geschichte der Orgel s. Gerhard Aumüller, Mads Kjersgaard, Reinhardt Menger, Dorothea Schröder und j' Eckhard Trinkaus: Zur Geschichte der Marburger Schlossorgel („Althefer-Positiv"). Zeitschrift für hessische Geschichte und Landeskunde (ZHG) Bd. 107 (2002), S. 131162. - Franz Bösken, Die Orgeln der evangelischen Marienstiftskirche in Lich (=Beiträge zur mittelrheinischen Musikgeschichte Nr.2). Mainz 1962. - Einzelbelege für diese Hypothese bei Gerhard Aumüller und Barbara Uppenkamp, Fakten und Fragen zur Herkunft der Marburger Schloss-Orgel, ZHG, im Druck.
„800 Jahre Deutsch-Ordenskirche Reichenbach
Die romanische Dorfkirche von Reichenbach gehört zu den ältesten Kirchen der Region um den Meißner. Die archäologischen Grabungen der Jahre 1973 bis 1975 brachten zwei Vorgängerkirchen zum Vorschein sowie die Fundamente des ehemaligen Chorabschlusses des heutigen Kirchenbaus. Die Grabungsbefunde sprechen zudem auch für einen hölzernen Vorgängerbau.
Urkundlich wird sie erstmals 1207 erwähnt, als die Grafen von Reichenbach-Ziegenhain die Kirche an den Deutschen Orden schenken.
Diese Schenkung war der erste größere Besitz des Ordens innerhalb des Deutschen Reiches und so richtete er in Reichenbach sogleich eine Kommende ein. Im Zuge dieser Schenkung wird berichtet, dass in der Kirche zu Reichenbach schon lange kein Gottesdienst mehr stattgefunden habe und die zu einem zugehörigen Kloster gehörenden Nonnen fortgezogen seien. Die Kirche gehörte somit zu einem Kloster, über das die Quellen sonst jedoch nichts überliefern. Architektonisch weist die Reichenbacher Kirche große Ähnlichkeiten zu