Dokumentation zum Tag der Hessischen Landesgeschichte am 19. September 2009 in Kassel
175 Jahre 1834−2009 Verein für hessische Geschichte und Landeskunde Kassel 1834 e.V.
gewaltige Monument zu den bedeutendsten Bildhauerleistungen jener Zeit in Mitteleuropa; geschaffen wurde es von der Kasseler Hofbildhauerwerkstatt unter Elias Godefroy und Adam Liquir. Den Hauptteil des Grabmals bildet ein römischer Triumphbogen aus schwarzem Lahnmarmor und weißem Alabaster aus Konnefeld (Morschen). Eine hohe Bekrönung, die einst farblich in die Kirchenarchitektur eingebunden war, umrahmt das ehemals bunte landgräfliche Wappen, welches von Gebeinen, Tod und Urne überragt wird – auch die Fürsten sind dem Tod unterworfen. Davon hob sich jedoch deutlich der Triumphbogen ab – und an der Stelle des antiken Triumphators schwebt in der Mittelnische der auferstandene Christus. An die Grabmalsfunktion erinnern die Statuen des Fürstenpaars in den Seitennischen und ein Ziersarkophag in der Mitte. Mehrere biblische und allegorische Reliefs sind inhaltlich auf das Fürstenpaar zu beziehen, über der Mittelnische und auf dem Dreiecksgiebel sind die vier Kardinaltugenden dargestellt, und in der Bekrönung mahnen zwei Inschriften zu einem tugendhaften Leben. Vor dem Monument liegt eine Sandsteinplatte (allerdings um 90 Grad gedreht) mit den Wappen und Ahnenwappen des Paares, mit lateinischen Inschriften und vier Allegorien.
Beide Grabmäler waren im Zweiten Weltkrieg durch Einmauerung geschützt; das große Epitaph erlitt dennoch Schäden und wurde zudem in der Nachkriegszeit von Kunst- und Metalldieben heimgesucht. 2004 konnten zumindest wichtige Details rekonstruiert und der schwarze Marmor von verschmutzten Wachsüberzügen gereinigt werden.
An der Nordseite des Chores erinnert ein drittes, fast 9 m hohes Grabmal an den Prinzen Philipp (†1626), einen Sohn des Landgrafen Moritz; in Zweitem Weltkrieg und Nachkriegszeit wurde es stark beschädigt, und die lange Inschrift der geraubten Bronzetafel ist heute in deutscher Übersetzung auszugsweise wiedergegeben. Es ist das einzige fürstliche Grabmal, das nach dem Philippsepitaph in der Kirche errichtet wurde, und der Inschrifttext spiegelte nicht nur das Zeitgeschehen des Dreißigjährigen Krieges wider, sondern betonte auch ausdrücklich die „chattische Tapferkeit“ des Prinzen und die Treulosigkeit der Gegner.
Im Übrigen erinnerten im Kirchenraum nur die Trauerfahnen an die verstorbenen Fürsten, und die Grüfte waren verschlossen: Das ältere, sehr niedrige Gruftgewölbe aus der Zeit Landgraf Philipps liegt unter dem Chor und wurde nur zu Beisetzungen geöffnet. Die schlichten Holz- und Zinnsärge sind wahllos gestapelt und dadurch z. T. völlig zerdrückt. Hier wurden u. a. alle Regenten von Philipp bis Moritz beigesetzt, außerdem 1668 ein Herzog von Württemberg-Oels, der auf der Durchreise in Kassel gestorben war. Von 1535 bis 1754 erfolgten hier insgesamt 36 oder 37 Bestattungen, wobei die Gruft bereits unter Landgraf Moritz vergrößert werden musste. Nachdem das Gewölbe in Zweiten Weltkrieg beschädigt worden war, stellte man es ohne Zugang wieder her. Aus Platzmangel wurde um 1638 ein zweites Gruftgewölbe unter dem ehemaligen Kapitelsaal eingezogen; der Zugang erfolgte durch die Sakristei, deren Portal noch heute Gebeine, Sanduhr und Waage zeigt. In diesem Gewölbe wurden insgesamt 32 Beisetzungen vorgenommen, darunter die Regenten ab Wilhelm V. in zunehmend aufwendiger gestalteten Prunksärgen aus Zinn (zumeist mit vergoldetem Bronzeschmuck). Außerdem wurden aus Platzgründen 6 Kindersärge
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