kann man davon ausgehen, dass der Gleichklang in den reformreligiösen Interessen auch zur Ehe zwischen Heinrich und Kunigunde geführt hat.
Diese Überlegungen zeigen zweierlei. Zum einen wird man sich nicht mehr, wie bisweilen in der bisherigen Forschung, darüber wundern müssen, weshalb ein königlicher Herzog von Bayern eine kleine Grafentochter aus Luxemburg geheiratet hat. Das Luxemburger Grafenhaus konnte ebenfalls königliches Blut aufweisen und gehörte zu den mächtigsten Fürsten des Reiches. Zum zweiten war Kunigunde die ideale Partnerin für Heinrich, denn ihr war das Reformprogramm, das der junge Herzog von Bayern zu seiner politischen Leitlinie erhob, vollkommen vertraut.
Als Heinrich 1002 das Königtum erlangte, weitete er das bayerische Reformprogramm auf das gesamte Reich aus – und hatte Kunigunde damit weiterhin als engste Gefährtin an seiner Seite. Sie wiederum rückte über ihren königlichen Gemahl in eine extrem hervorgehobene Stellung im Ordnungsgefüge dieser Zeit – viel mehr, als es die einfache Bezeichnung „Königin“ oder später „Kaiserin“ zum Ausdruck bringt. Weshalb war das so?
Bei dieser Frage müssen wir beachten, dass um das Jahr 1000 die Vorstellung herrschte, dass ein König der Stellvertreter des himmlischen Königs war und allein von Gott bestimmt wurde. Genauso hat dies auch Heinrich II. gesehen. Seinem Verständnis nach war es allein die Vorsehung Gottes, die ihn für die Stellvertreterschaft Christi bestimmt hatte. Irdische Personen hatten zwischen dem König im Himmel und seinem Stellvertreter auf Erden keinen Platz.
Zeichen dieser Beauftragung waren die erwähnten Herrscherinsignien, vor allem die Heilige Lanze, in der als Zeichen des Sieges ein Nagel vom Kreuz Christi eingelassen war. Der entscheidende Akt aber, mit dem der neue König seine unmittelbare Einsetzung durch Gott und dessen Stellvertretung erfahrbar machte, war die consecratio: die Weihe und Salbung zum König. Wie ein Priester oder Bischof trat der König durch seine Weihe in eine geheiligte Verbindung zu Gott ein. Das Sakrament der Königssalbung erhob ihn über alle Menschen und machte ihn der göttlichen Autorität teilhaftig.
Wenn man sich diese Ordnungs- und Legitimationsvorstellungen vor Augen hält, ist sogleich zu erkennen, was es bedeutete, dass auch Kunigunde – und zwar in der Domkirche von Paderborn – nicht nur zur Königin gekrönt, sondern auch gesalbt wurde. Soweit man sehen kann, ist sie damit die erste, die im ostfränkisch-deutschen Reich zur Königin geweiht wurde. Jedenfalls haben wir von keiner ihrer Vorgängerinnen Nachrichten von einer Salbung. Kunigunde, so scheint es, wurde somit in neuartiger Weise in die sakral-königliche Herrschaftsbegründung ihres Mannes hinein­genommen. Auch sie war damit geheiligt durch das Salböl des Himmels. In einer Herrscherurkunde Heinrichs II. vom 24. Oktober 1006 wird sogar ausdrücklich darauf Bezug genommen. Der König bestätigte eine Schenkung an das Paderborner Domkloster mit der Begründung, dass dort seine allerliebste Gemahlin (amabilis coniunx) die herrscherliche Legitimation durch die Weihe zur Königin empfangen habe: regiae consecrationis inibi adinvenit dominium. Diese Worte belegen sehr deutlich, dass auch Kunigunde durch das Sakrament der Weihe das dominium, das Recht zur Herrschaft, erlangt hat. Wie der König selbst war auch Kunigunde eine Geweihte des Herrn – eine Konstellation, die wir vorher in dieser Bestimmtheit noch nirgendwo antreffen. König und Königin traten
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