Zweigvereine 35
Missernten und Seuchen hervorrief. Er zitierte
den Chronisten Gerstenberg, der bereits von
Pogromen gegen Juden um 1295 und im Pestjahr
1349 berichtete. Auch Hexenverbrennungen
sah der Referent als Ergebnis einer „geistigen
Echokammer“, in der sich genug Druck
aufbaute, um andere Menschen zu verfolgen.
An vielen historischen Stadt- und Landschaftsbildern
machte Klaus Battefeld Veränderungen
in der Land- und Waldnutzung
sichtbar. Er schilderte die ,,Kupfer- und Silbergräberstimmung“
im Erzbergbau bei Geismar,
wo täglich bis zu 180 Bergleute beschäftigt waren.
Aber er zeigte auch den Fortschritt, der
1890 mit der Eisenbahn, der Thonet-Fabrik und
anderen Industrien in die Region kam. Den Bau
der Edersee-Sperrmauer und die damit eingeleitete
Dimension einer ,,Energiewende“ machte
der Naturschutz-Fachmann mit einem verblüffenden
Vergleich zu heute sichtbar: Bis 1914
mussten drei Dörfer mit 900 Menschen umgesiedelt
und 27 Kilometer Tal geflutet werden,
um im Speicherkraftwerk Hemfurth 14 Megawatt
(heute 20 MW) Strom zu erzeugen. Battefeld:
,,Das entspricht heute etwa fünf Windkraftanlagen.
Wie das Frankenberger Land eine eigene
Identität finden, die Abwanderung junger
und qualifizierter Menschen verhindern,
sich durch Natur-Tourismus, Forstwirtschaft
und Öko-Landbau weiter entwickeln kann,
beschrieb der Referent zum Schluss. Ruth
Piro-
Klein bedankte sich für seinen Vortrag
im Namen des Geschichtsvereins mit einem
Buchgeschenk.
Karl-Hermann Völker
Der Vorstand des Zweigvereins
Clemens Lohmann, 1. Vorsitzender, Klaus
Leise,
2. Vorsitzender, Schriftführer und Pressewart,
Alfons Brüggemeier, Schatzmeister,
Doris Hommel-Schäfer, Dagmar Lohmann
und Dr. Ulrich Skubella, Beisitzer. Mitgliederzahl
am 1. Januar 2019: 67 (Eintritte: 0, Austritte:
2, Todesfälle: 1)
Aus dem Jahresbericht 2018
Am 8. März fand im Hotel Kaiserpfalz die
Jahreshauptversammlung statt. Im Anschluss
erfolgte ein Lichtbildervortrag über die Allee
von ihrer Entstehung als unbefestigte Landstraße
um 1865 bis hin zu ihrer Nutzung als
Park, Standort des überregional bekannten
Fritzlarer Pferdemarktes und Busbahnhofes,
der in 2018 neu gestaltet wurde.
Am 26.April referierte Frau Stefanie Mnich,
ehemals wissenschaftliche Mitarbeiterin am
Zweigverein Fritzlar
Käthe Kollwitz Museum Köln und heute Leiterin
des Fritzlarer Museums Hochzeitshaus,
über die Person von Käthe Kollwitz als eine
der herausragenden deutschen Künstlerinnen
des 20. Jahrhunderts mit internationaler
Strahlkraft. Die Veranstaltung war mit über 70
Zuhörern gut besucht.
Ein weiterer Vortrag folgte am 7. Juni, gehalten
von Dr. Heinz-Peter Mielke, über den
berühmten Hersteller von Ofenkacheln Hans
Berman. Berman stammt aus der Region. Die
meisten seiner Kacheln tragen die Aufschrift
Hans Berman 1562 und 1554. Sie finden sich
von der Schweiz bis nach Skandinavien, vom
Rhein bis ins Baltikum. Die Kacheln zeigen
biblische Motive, Wappen, zeitgenössische
Personen, Apostel und Szenen aus dem profanen
Leben. Der Vortrag ging ein auf die wenigen
biographischen Überlieferungen, zeigte
das Gesamtwerk Bermans auf dem Gebiet