26 Zweigvereine Als Karl-Hermann Völker (Wiesenfeld) dem Frankenberger Geschichtsverein in der Mauritiuskapelle des Museums im Kloster Frankenberg zum 150-jährigen Bestehen gratulierte, betonte er: „Wir sind ein wissenschaftlicher Verein für jedermann“. Mit einer Fülle von Bildern, Originaldokumenten und Chronikzitaten schilderte der Regionalhistoriker in seinem Vortrag die Entwicklung des neben dem TSV 1848 zweitältesten Frankenberger Vereins. „Aus den elitären Anfängen mit Vertretern der bürgerlichen Oberschicht der Kaiserzeit ist ein breiter Bildungsauftrag geworden, der Interesse an Geschichte und Landeskunde allen Bürgern, besonders jüngeren Menschen vermitteln will“, sagte der langjährige Vorsitzende des Frankenberger Zweigvereins. Schon vor dem Jahr 1870, in dem in Frankenberg eine lokale „Pflegschaft“ vom Amtsgericht bestätigt wurde, gehörten dem bereits 1834 gegründeten „Verein für hessische Geschichte und Landeskunde Kassel“ prominente Mitglieder aus dem Altkreis wie der Hainaer Hospitalvorsteher Wilhelm Schenk zu Schweinsberg, der Rosenthaler Pfarrer Wilhelm Bang oder der Metropolitan Heinrich Menche aus Röddenau an. Als „Geschäftsführer“ übernahm der Frankenberger Rektor Heinrich Schenk ab 1870 die Leitungsrolle, wie Völker berichtete. „Ihm ging es bereits mit seinem Heimatkundebuch darum, Kindern und Erwachsenen die Geschichte des Kreises nahezubringen. Aufs Titelblatt schrieb er: „Was man nicht kennt, kann man nicht lieben“. Mit dem Bau der Eisenbahn von Marburg nach Frankenberg 1890 rückte die Ederstadt mit dem zehntürmigen Rathaus ganz nahe an die anderen nordhessischen Zweigvereine heran, die sich hier bis 2022 insgesamt sechsmal zu großen Jahrestagungen trafen. Von der ersten Jahresversammlung 1891 im Hotel Schmidtmann liegen noch die Zeitungsberichte, die Speisekarte („Junge Gans mit Salat und eingemachten Früchten“) und das Ausflugsprogramm Liebfrauenkirche, Hessenstein und Dalwigksthal vor. Dank der „aufopfernden Tätigkeit des Frankenberger Festausschusses“ waren alle Teilnehmer begeistert, „und der Verein erlebte einen sprunghaften Anstieg um 20 neue Mitglieder!“, zitierte Völker. In seiner Rückschau schilderte er die Vereinsgeschichte während der Kaiserzeit, der schwierigen 1930er-Jahre und der NS-Zeit mit Krisen und Brüchen, aber auch immer wieder fleißiger Forscherarbeit. Mit Lizenz der US-Besatzungsmacht durfte der Geschichtsverein am 1. Februar 1948 seine Arbeit offiziell wiederaufnehmen. Lesenswertes in Auswahl Wissenschaftlicher Verein für jedermann. 150 Jahre Frankenberger Geschichtsverein Vortrag 150 Jahre Geschichtsverein in Zeiten von Corona