Zweigvereine 27 Schon 1947 hatten seine Mitglieder, darunter Festspielautor Heinrich Röser, die 700-Jahr- Feier der Stadt Frankenberg mitgeplant und fachlich unterstützt. In den Folgejahren bot der Zweigverein mehrere hundert Vorträge und Studienfahrten an, in der Ära des Vorsitzenden Rektor Heinz Brandt 1962 bis 1994 bis zu sieben Exkursionen jährlich. Mit ihm begann auch die Erforschung der jüdischen Geschichte Frankenbergs bis zum Holocaust, die Stadtarchivar und Vereinsmitglied Dr. Horst Hecker 2011 mit seinem 600-seitigen Werk „Jüdisches Leben“ vollendete. Das fruchtbare Miteinander von Historikern und Laien als Bürgerforschern (modern: „Citizen Scientists“) sei dem Geschichtsverein besonders wichtig gewesen, sagte Völker. Der Verein habe ihnen die „Frankenberger Hefte“ eröffnet, Buchprojekte und Ortschroniken mit Rat begleitet. Völker selbst betreut redaktionell seit 1976 die Wochenendserie der Frankenberger HNA „Blick zurück“ mit bisher mehr als 2000 fremden und eigenen Beiträgen. Er würdigte beispielhaft den 2016 verstorbenen Forstwirt Helmut Wirwahn aus Wangershausen, der mehrere regionalgeschichtliche Schriften und Ortschroniken verfasst hat, als einen echten, aus dem Verein hervorgegangenen „Bürgerforscher“. Dass die Publikationsarbeit auch künftig wieder verstärkt fortgesetzt werde, kündigte Ruth Piro-Klein an, die im Juni den Vorsitz in dem derzeit 110 Mitglieder zählenden Verein übernommen hat. Sie dankte Völker für diesen „eindrucksvollen, kritischen Rückblick auf unsere 150-jährige Geschichte“. HNA/Frankenberger Allgemeine, 26.10.2022 In dem letzten Transportzug mit nordhessischen Juden, der den Hauptbahnhof Kassel mit dem Ziel Ghetto Theresienstadt am 7. September 1942 verließ, befanden sich neben 21 Personen aus dem Altkreis Frankenberg auch der aus Allendorf/Eder stammende Marburger Rechtsanwalt Dr. Hermann Reis, seine Frau Selma geb. Levi und ihre Tochter Marion. Sie wurden Monate später von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet. Der Frankenberger Geschichtsverein erinnerte jetzt, 80 Jahre danach, mit vielen Bildern, Dokumenten und Zeitzeugenberichten an diese Familie bei einer Vortragsveranstaltung in der Mauritiuskapelle des Museums im Kloster Frankenberg. Zunächst schilderte Gerlinde Briel (Allendorf/Eder) das soziale und kulturelle Milieu der jüdischen Einwohner des Dorfes Allendorf/Eder, insbesondere der Viehhändlerfamilie Moses und Berta Reis, die am Linspherbach wohnten. Hier wuchsen Hermann Reis und sein Bruder Julius, ein späterer Arzt, in dörflicher Geborgenheit auf. „Es gab, bevor die nationalsozialistische Hetzjagd und Propagandamaschinerie ihr unseliges Werk begann, ein von gegenseitiger Toleranz geprägtes Miteinander von jüdischen und christlichen Einwohnern unseres Ortes“, berichtete die Allendorferin. Das hatten ihr auch in Interviews noch zwei ältere Zeitzeuginnen bestätigt. Sowohl Gerlinde Briel wie auch Karl-Hermann Völker (Wiesenfeld), der den späteren Werdegang des angesehenen Marburger Rechtsanwaltes Dr. Lesenswertes in Auswahl Ein Beitrag gegen das Vergessen – Geschichtsverein erinnerte an jüdische Familie Reis aus Allendorf/Eder