Aus Stadt und Land 65 keine Mauern verschoben werden konnten. Von außen betrachtet, lag der Schwerpunkt der Neugestaltung des Dommuseums auf einer inhaltlichen Neuorientierung, da im Prinzip die gleichen sakralen Gegenstände ausgestellt werden sollten wie vorher. Da Laizismus und allgemeine Glaubensferne in den letzten Jahrzehnten extrem zugenommen haben, wurde zu Recht davon ausgegangen, dass viele Besucher den Sinn und Zweck der gezeigten Gegenstände erklärt bekommen müssen. Dementsprechend führen Erklärungstafeln – u. a. zu den Themenbereichen Reliquien, Liturgie, Malerei und Skulpturen oder Glauben heute – in die katholische Glaubenswelt ein. Das Museum gliedert sich wie bisher auch in zwei Räume, den eigentlichen Domschatz – umgangssprachlich immer noch gern „Schatzkammer“ genannt – und das Dommuseum. In der „Schatzkammer“ sind durch ein eindrucksvolles Beleuchtungskonzept und luxuriös großflächige Vitrinen wirkungsvoll präsentiert zu sehen u. a. das sog. Heinrichs- Kreuz mit Splitter vom Kreuze Christi, ein romanisches Scheibenreliquiar mit Zyklus der 12 Apostel, ein Pontifikalkelch mit Patene (12. Jahrhundert), ein Vortragekreuz (13. Jahrhundert), ein Evangeliar (um 1170), Monstranzen (15. Jahrhundert), Reliquiare und weitere sakrale Objekte. Während der Domschatz sakrale Gegenstände zeigt, die vor allem für Hochfeste und Prozessionen in Gebrauch waren und auch heute noch sind, beeindruckt das Dommuseum den Besucher durch die Begegnung mit dem katholischen Ritus. So zeigt eine große Vitrine alle die Gegenstände, die ein katholischer Priester während der Messfeier benötigt und benutzt, von den Kerzenleuchtern angefangen bis hin zum Weihrauchfass. Zu sehen und eingehend betrachtet werden können Messgewänder und Heiligenfiguren, Altaraufsätze, sog. Retabeln, und die kunsthistorische Entwicklung des Messkelchs. Den „Ausstellungsmachern“ ist ein großer Wurf gelungen. Ein Besuch des Fritzlarer Domes und seiner Kunstschätze lohnt sich immer. Kritisch anzumerken ist, dass die Geschichte des St. Petri-Stiftes, das von 1005 bis 1802, also 800 Jahre, bestanden hat und bis zur Reformation der Träger des geistigen Lebens in Niederhessen war und ohne dessen Existenz es keinen Domschatz geben würde, leider erneut, wie 1974, unberücksichtigt blieb. Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass das Dommuseum vom Hessischen Kultusministerium als Museum des Jahres 2022 im November 2022 ausgezeichnet wurde. Kontakt: Katholisches Dompfarramt, Tel.: 05622- 99990. Seit Anfang dieses Jahres 2023 kann der Besucher ein Kombiticket erwerben für den Besuch beider Museen sowie des Grauen Turms. Museum Hochzeitshaus Zum kulturellen Angebot der Stadt Fritzlar für ihre Bürgerinnen und Bürger gehört ein repräsentatives Fachwerkhaus, das sog. Hochzeitshaus, der größte noch erhaltene Fachwerkbau in Nordhessen, in dem seit 2022 ein Museum zur Stadtgeschichte eingerichtet ist. Bereits 1956 hatte sich eine Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, auf hobbyarchäologischer Basis einen Beitrag zur Erforschung und Sicherung vor- und frühgeschichtlicher Zeugnisse und Siedlungsplätze zu leisten. Anlaufstelle für die Forscher waren erste Räume im Hochzeitshaus. Nach dem die Stadt Fritzlar als Eigentümerin des Gebäudes das Hochzeitshaus komplett entmietet hatte, konnte zunächst ein Raum, dann