52 Zweigvereine stehen die Apostelfürsten Petrus u. Paulus, darunter das Pfälzer Wappen mit bischöflichen Insignien, welche auf den Stifter Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg hinweist. Der 1472 eingeweihte Nordwestturm wurde in gotischer Form aufgebaut. Umfassende Renovierungen wurden von 1890–1930 und nach den schweren Schäden durch die Fliegerbomben des Jahres 1945 durchgeführt. Worms ist besonders geprägt durch den Reichstag von 1521, auf dem Luther den Widerruf seiner Schriften verweigerte. Auf Grund der Weigerung kündigte Karl V. einen Tag später die Reichsacht an, die sich aber als unwirksam erwies, weil sich Kurfürst Friedrich von Sachsen schützend vor ihn stellte. Dieses Ereignis wurde durch ein monumentales Denkmal geehrt. Unser weiterer Weg führte uns in die Dreifaltigkeitskirche im Zentrum der Stadt. Sie ist die größte evangelische Gemeinde in Worms und wurde im Barockstil von 1709–1725 errichtet. Am 21. Februar 1945, kurz vor Kriegsende, wurde die Kirche durch Bomben zerstört, jedoch 1955–1959 nach Plänen von Prof. Otto Bartning und Otto Dörzebach wiederaufgebaut. Die Glaskunstfenster wurden von Wilhelm Buschulte kreiert. Die Steinmeierorgel von 1959 ist mit 3744 Pfeifen, 56 Registern und drei Manualen die größte Orgel einer evangelischen Kirche in Rheinhessen. Die Glasfenster der Dreifaltigkeitskirche sind in den 80er Jahren durch eine Explosionsdruckwelle zerstört und wieder Instand gesetzt worden. Weiter ging es an der Stadtmauer St. Andreas, eine der ältesten Stadtbefestigungen des Mittelalters, entlang zum Jüdischen Friedhof, der im 11. Jh. angelegt wurde und wo bis 1911 Bestattungen stattfanden. Er ist einer der ältesten erhaltenen Friedhöfe Europas. Um 1014 wurde auch die Synagoge gebaut. Der älteste datierte Grabstein stammt aus dem Jahr 1059, neben ihm steht der für Jaakow Haßschur von 1077. Angelegt wurde der Friedhof außerhalb des Wohngebietes nahe der Stadtmauer und erhielt 1260 eine eigene Umfassungsmauer. Einen Abriss durch die christliche Bürgerschaft konnte die jüdische Gemeinde durch die Zahlung einer hohen Summe abwenden. Als jedoch im 14. Jahrhundert die Befestigung der Stadt erweitert wurde, lag der Friedhof ungünstig zwischen innerer und äußerer Mauer. Immer wieder wurde der Ort beschädigt und entehrt, so bei der Verfolgung durch die Wormser Zünfte 1615. Nach den Wirren ließ der Wohltäter David Oppenheimer, der 1642 verstarb, den Eingangsbereich neu gestalten und so ist er heute noch zu sehen. Er stiftete das Taharahaus zur Leichenwaschung und den Brunnen zur rituellen Reinigung nach dem Besuch des Friedhofs. Nach Zerstörung der Stadtbefestigung im Pfälzischen Erbfolge Krieg 1689 konnte der Friedhof nach Westen über den erhöhten Wall erweitert werden, hier wurde er bis 1911 belegt. Einzelne Familienbegräbnisse fanden auch noch 1938 statt. Ein neuer Jüdischer Friedhof besteht seit 1911 in Worms- Hochheim. Die NS Zeit überstand der Heilige Sand ohne größere Beschädigungen. Dank der Erneuerung der Umfassungsmauer und der des Vorplatzes wurde der Friedhof wieder zur geschlossenen Anlage. Die Dauer und der Reichtum der Inschriften stellen seine einzigartige Religions- und Kulturgeschichte dar. Es befinden sich 2500 Grabsteine auf dem Friedhof die sich in zwei Bereiche aufteilen, in den größeren mittelalterlichen und den frühneuzeitlichen Bereich sowie das höher gelegene nach 1689 genutzte Areal. Der Heilige Sand hat nun bald ein Jahrtausend überdauert und erfüllt wie eh und je seine Aufgabe, die Toten zu bewahren bis ans Ende der Tage.