Zweigvereine 53 Der nächste Tag führte uns nach Speyer. Da die Dom- und Stadtführungen in Speyer getrennt stattfinden, besichtigten wir den Dom nach den Führungen auf eigene Faust. Nach einigen Stadt- und Dominformationen auf dem Domplatz gingen wir zur Evangelischen Kirche, die wie auch in Worms der Dreifaltigkeit Gottes gewidmet ist. Sie ist eine spätbarocke Saalkirche und wurde durch Johann Peter Graber. in den Jahren von 1701–1717 im Spätbarock erbaut und nach Nordosten ausgerichtet. Der geräumige Saal besitzt einen Chorabschluss aus fünf Seiten. Die Hölzerne Decke ist ein sehr flaches Kappengewölbe über halbkreisförmigen Schildbögen. Die Fassade ist nicht mehr Original, da unter der französischen Besatzung 1794 die fünf Steinfiguren vom Giebel der Fassade gestürzt wurden. Der jetzige Fassadengiebel wurde im Jahr 1891 nach Plänen des Speyerer Architekten Heinrich Jester neu gestaltet. Die Ausstattung der Kirche stammt aus der Erbauungszeit. Die mittelalterlichen Tafelbilder von zwanzig Szenen aus der Bilderbibel von Matthäus Merian zeigen die Verbreitung des Wort Gottes im Sinne des lutherischen Glaubens. Die erste Orgel befindet sich oberhalb des Altars und wurde von Christian Dathan um 1716 eingebaut. 1812 wurde die Orgel von Johann Georg Geib und 1929 von der Orgelfirma Steinmeyer unter Verwendung von Vorgängerpfeifen erneuert. Nun ging es zum mittelalterlichen Judenhof von Speyer, hier lasen wir die Inschrift von Johann Joachim Becher: Freiheit ist jedem Menschen angeboren und jeder ist so gut wie der andere. Eine gute Erziehung der Jugend ist das Fundament des Staates. Bereits 1084 verlagerte die Jüdische Bevölkerung ihren Wohnbereich in die Innenstadt von Speyer. 1104 wurde die Synagoge eingeweiht, gleichzeitig entstand ein Ritualbad, die Mikwe, in der Romanik dann umgebaut und durch eine Nordhalle ergänzt; später fügte man einen Betraum für Frauen dazu, der im 13. Jahrhundert eingewölbt wurde. Nach dem Untergang der Judengemeinde 1500 nutzte die Stadt Speyer das Gebäude als Zeughaus und nach der Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg für kleine Wohnungen. Das Ritualbad blieb unzerstört. Eine neue Synagoge wurde 1837 gebaut, aber 1938 durch die Novemberpogrome zerstört. Der Judenhof und Teile der alten Synagoge zählen mit der Mikwe seit 2012 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Dom zu Speyer geht auf Kaiser Konrad II. zurück und wurde vermutlich 1025 mit dem Ziel, die größte Kirche des Abendlandes zu werden, begonnen. Der Dom wurde öfters zerstört und wiederaufgebaut. Schon 1041 wurde die größte romanische Krypta Europas mit einer Fläche von 820 m² geweiht. Mehrere Kaiser und Kaiserinnen sowie Könige fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Nach so viel Kultur, stand nach einer Mittagspause das Technikmuseum auf dem Programm. Als wir den Eingang durchschritten, begrüßte hoch über uns eine Boing 747, die durch eine überlange Gangway inspiziert wurde. Auch das russische Transportflugzeug, die Antonow An- 22, und noch weitere Flugzeuge sind auf dem Freigelände zu sehen. Auf dem ca. 10.000 Quadratmeter großen Außengelände befindet sich auch das U-Boot U9 der Bundeswehr, dessen enger und von Technik überhäuften Innenraum bewundert werden kann. In der riesigen Ausstellungshalle, aber auch im Außengelände kann man die stählernen Kolosse von historischen Lokomotiven bewundern. Auch die einzige in Deutschland befindliche chinesische Lokomotive Qian Jin fand
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